Praxistest Volvo XC 90 T8 Twin Engine

SUV mit Hybridtechnik – 407 PS mit 2,1 Litern Verbrauch – ist das möglich?

Richtige große SUVs finden wir lediglich bei Herstellern aus Stuttgart, München oder Ingolstadt. Wir baten nun den Volvo XC90 T8 als schwedische Variante zum Alltagspraxistest. Hinter der kurzen Bezeichnung T8 verbirgt sich ein Plug – in Fahrzeug, welches per Kompressor aufgeladen wird.

Abgeholt beim Autohaus Grünzeig in Mödling faszinierte mich auf Anhieb die pure Größe des Fahrzeugs.

 

Verarbeitungsqualität / Haptik

Der Innenraum bietet aber nicht nur Platz, sondern auch eine besondere Atmosphäre mit einem aufgeräumten, modernen Design und hochwertigen Materialien. Elektrisch verstellbare Ledersitze in bester Qualität, eine sehr breite und mit silberfarbenen Alueinsätzen versehene Mittelarmlehne sowie ein riesiges Dachpanoramafenster mit Schiebedach wirken gigantisch. Man sitzt schlichtweg in einem Riesen in Sitzen mit handvernähtem Leder.

Im direkten Vergleich zu einem Volvo XC 60 der vorherigen Serie – nicht unbedingt als Kleinwagen bekannt – schaut der XC 90 wie eine Dogge neben einem Dalmatiner aus.

Vor dem Besteigen des großen Volvos senkt die automatische Höhenverstellung selbst ab. Die Höhe ist im Fahrbetrieb je nach gewünschter Fahrstufe auch ganz individuell einstellbar. An einer Ampel hat das absichtliche Herumspielen an der Antriebsart mit Versatz der Fahrzeughöhe so manchen Hintermann in ein Lächeln sowie Staunen versetzt.

 

Größe / Kofferraum

Der XC90 T8 kann zum Siebensitzer transformiert werden. Dazu werden die hinteren Sitze einfach aufgeklappt – auch diese versprechen gute und erhöhte Sitzpositionen. Volvo setzt mit dem XC90 auf höchste Sicherheitsstandards in vorbildlicher Manier. Beim Ein- sowie Ausparken jedoch ist man sehr angetan ob der automatischen Parkhilfe sowie der hinteren Kamera, weil die Außenmaße von innen nicht ersichtlich sind.

Der Innenraum des XC90 spiegelt sämtliche Register seiner Außenmaße wider. Alles ist groß und großzügig. Volvo hat die Batterie in den Innentunnel verlegen können. So gewinnt das Fahrzeug zusätzlich enorm an Platz im Kofferraum. 640 Liter Volumen hinter der zweiten – verschieb- und verstellbaren – Sitzbank sind eine Ansage für Familienväter oder Bierkisten.

Bedienung / Infotainment

Der Volvo XC 90 hat sämtliche Komfort- und Sicherheitsfeatures mit an Bord. Zentral im Cockpit liegt das 12,3 Zoll große Display. Dort können alle Einstellungen für die Navigation, Musikwiedergabe oder Temperatureinstellungen wie beim I Pad angewählt werden.

Anfangs bedurfte die Menüführung einiger Übung, weil einige logische Abfolgen nicht sofort begreifbar waren. Nach einer kurzen Try and error Phase ist es dann jedoch kaum schwieriger als bei einem allbekannten Tablet. Notfalls immer wieder auf die Startseite und noch einmal. In der Windschutzscheibe befand sich beim Praxistestwagen ein Head Up Display. Dadurch wird man weniger abgelenkt und hat sämtliche Beschilderungen und Tempoangaben gleich im Blickfeld. Volvo hat im XC 90 erstmals auch Apple Car Play eingebaut, sodass der jeweilige Smartphonebildschirm auf dem großen Mittel Display angezeigt wird.

Eines der beeindruckendsten Elemente des XC 90 waren die großartigen Einstellungen der Musikanlage. Im Modus Orchesterhall Göteborg trieb es mir bei Linkin Park oder The Theme of Game of Thrones sprichwörtlich die Ganselhaut aus. Gewaltige Bässe und extraorbitante Höhen – schlichtweg unvergleichbar mit Allem, was ich bis dato musikalisch in einem Mobil erleben durfte.

Mein Testfahrer Michael Müller – CEO der EAS Executive Aviation Services GmbH kann davon ein Lied singen.

Fahrleistungen / Fahrverhalten / Sicherheit

Irgendwie unglaublich, aber Volvo hat dem XC 90 T8 lediglich einen Vierzylinder eingebaut. Dier allerdings bringt beachtliche 235 kW/320 PS – in Kombination mit dem 65 kW/87 PS starken Elektromotor eine gewaltige Systemleistung 300 kW/407 PS. Daraus schöpft der XC 90 T8 ein Drehmoment von bis zu 640 Nm. Theoretisch sind so Geschwindigkeiten bis zu 230 Kilometer pro Stunde möglich. Eine 9,2 kWh starke Batterie im Mitteltunnel ermöglicht bis zu 43 Kilometer rein elektrisches Fahren.

Im Power-Modus  – einstellbar an einem kleinen Rad auf der Mittelkonsole – spurtet dar 2,3 Tonnen schwere Riese vergleichsweise leichtfüßig und vor allen Dingen vehement vorwärts. Die 8 Gang Automatikschaltung lässt den Vierzylinder dann recht laut erklingen. Für 6 Zylinder Fetischisten ein nicht allzu guter Klang.

Ab Tempo 170 ist der Verbrenner theoretisch alleine für die Vorwärtsbewegung zuständig; der seine Leistung an die Hinterachse schickende E-Motor ist dann entkoppelt, so dass der XC90 nur noch über die Vorderachse angetrieben wird. Diese Geschwindigkeit allerdings wagte ich in Österreich nicht auszutesten. Gegen den XC 90 T6 soll der T8 Twin Engine etwas behäbiger agieren, was den 200 zusätzlichen Kilogramm geschuldet sein dürfte.

Volvo hat die höchsten Erwartungen an seine  – traditionell gewachsen –  Sicherheitsbelange. Im Euro-NCAP gab es vorher für kein anderes Auto so viele Punkte in puncto Sicherheit wie für den XC90. Das gilt auch für die Fahrer-Assistenzsysteme, für die sich Volvo immer etwas Neues einfallen lässt. Der sogannte Allradantrieb ist kein Instrument für bessere Traktion bei sportlicher Fahrweise mit hohen Geschwindigkeiten, sondern ein System, das den großen XC 90  bei widrigen Straßenverhältnissen im Zaum hält.

 

Reichweite / Verbrauch / Laden

Die Theorie verspricht gute Daten. Die Unterschiede bei Angabe und Praxis sind jedoch recht enorm.  Mit voll aufgeladener Batterie und sanftem Beschleunigen zeigte der Bordcomputer in dem auf Effizienz ausgelegten Fahrmodus „Hybrid“ nach 25 Kilometern einen Durchschnittsverbrauch von 5 Litern an. Nachdem der Speicher leer war, stieg der Durst leider enorm an. Immer noch alles andere als schnell unterwegs, summierte sich der Durchfluss fortan auf 8 bis 9 Liter. Wechselt man noch in den „Power“-Modus – hier arbeiten Verbrenner und E-Motor zusammen, um das Leistungspotential von 407 PS abzurufen, und tritt das Gaspedal ein wenig mehr durch – sind eher 10 – 14 Liter realistisch. Bei einem Fahrzeug dieser Größe dennoch imposant.

Dies ist angesichts der schieren Größe des XC 90  und auch im Wettbewerbsumfeld absolut in Ordnung.
Natürlich lässt sich der Volvo auch rein elektrisch bewegen. Bis zu einer Geschwindigkeit von 125 km/h kann im Pure-Modus nur die E-Maschine genutzt werden.  

Dessen 9,2-kWh-Lithium-Ionen-Batterie ist im Idealfall mit 16 Ampere in 2,5 Stunden wieder aufgeladen. Sechs Antriebseinstellungen können gewählt werden. Standard ist der sogenannte Hybrid-Modus. Hier soll möglichst oft der E-Motor automatisiert zugeschalten werden. Im Pure-Modus wird bis 125 Kilometern je Stunde rein elektrisch gefahren. Weiterhin gibt es noch vier weitere Einstellungen – von Power-Modus mit voller Kraft bis hin zum Allradantrieb für schweres Gelände und wenig Speed.

Als Plug-in-Hybrid bietet der Twin Engine nominell 43 Kilometer Reichweite aus der Lithiumionen-Batterie mit 9,2 Kilowattstunden (kWh) Kapazität. Die Höchstgeschwindigkeit in diesem der sechs möglichen Fahrmodi beträgt 120 km/h. Deswegen kann Volvo für den Twin Engine auch einen Durchschnitts – Normverbrauch von 2,1 Litern angeben.

 

Daten Volvo XC 90 T8 Twin Engine

Motor T8 TWIN ENGINE AWD*
Max. Leistung kombiniert 407 PS (320 + 87 PS)
Beschleunigung 0–100 km/h 5,6 s
Verbrauch (im Kombizyklus) 2,1 l/100 km
CO2-Emissionen (im Kombizyklus) 49 g/km
Reichweite (PURE) 43 km
Stromverbrauch 18,5 kWh/100km

Fazit

Dieser SUV ist ein Riesengerät! Enge Straßen und Parklücken sind nicht das Terrain des Schweden und Understatement wegen seiner Größe nicht gerade sein Ding. 4,95 Meter Länge und 1,78 Meter Höhe bei 1,96 Metern Breite kann keiner übersehen. Mit dem Plug-in-Hybrid geben die Schweden ein Spritsparversprechen: Nur 2,1 Liter soll der Benziner mit Elektro-Unterstützung auf 100 km verbrauchen. Und – nein, in der Praxis ist das eher selten bis gar nicht drin. Der Testdurchschnitt mit sanft agierendem Gasfuß lag bei 8,5 Litern.
Bei der Neukonstruktion blieb kein Stein auf dem andere.

Der aktuelle XC90 baut als erster Volvo auf einer neuen skalierbaren Plattform auf.

Gleichteile-Strategie ist das Stichwort, und das gilt nicht nur für Kleinigkeiten wie Lichtschalter oder Antriebswellen. Auch bei den Motoren wird gesundgeschrumpft und vereinheitlicht. Die individuellen Fünf- und Sechszylinder folgten auf dem Weg, den der XC90-V8 bereits 2010 beschritt – ins Nirvana. Künftig ist es ein Einheits-Motorblock mit vier Zylindern und 1.969 Kubikzentimeter, der sowohl in einer Diesel- als auch in einer Benzin-Version alle Antriebswünsche abdecken soll.

Kein anderes Modell zeigt besser als der Twin Engine, dass bei Volvo andere Zeiten angebrochen sind. Design und Technik entwickelten sich eindrucksvoll weiter. Die Übernahme der Schweden durch das chinesische Unternehmen Zhejang Geely Holding im Jahr 2010 hat offenbar Türen und Möglichkeiten geöffnet. Waren Volvos vor wenigen Jahren imposante Paxkasten, sind sie heute eine wunderbare Mischung aus schwedischer Sicherheitsanhänglichkeit und sportlicher Eleganz.

Mit seiner wirklich starken und überzeugenden Optik, der rundum erlesenen Ausstattung, seiner feinen Verarbeitung sowie der sehr hohen Fahrkultur muss sich der XC 90 vor den anderen SUVs wie Range Rover, BMW X5 oder Audi Q7 nicht verstecken.- Ganz im Gegenteil: in einem Volvo XC 90 lernt man Gelassenheit und Ruhe in Perfektion. In keinem Moment hatte ich ein Gefühl von Unsicherheit. Selbst beim Stehenbleiben an Schutzwegen vertrauten alle Menschen darauf, dass ein Volvofahrer nicht vor dem Fußgänger weiterfährt. Dieses Phänomen hatte ich bei anderen Automarken, insbesondere aus München und Ingolstadt nie wahrnehmen können.

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