Praxistest Hyundai Fuel Cell

Wasserstoff? Ja, Wasserstoff. Alle reden davon, einige machen es vor: so zum Beispiel Hyundai mit dem FuelCell auf Basis des Hyundai ix35.

Was ist nun dran am Mythos Wasserstoff? Ist er so gefährlich wie angenommen oder gar unerschwinglich oder aber überhaupt?

Der Elektromotor des Hyundai ix35 FuelCell wird nicht aus Batterien gespeist, sondern aus einer Brennstoffzelle. Das ist eine Art Kraftwerk, welches Strom für den E-Motor während der Fahrt selbst herstellt und in Akkus zwischenspeichert.

Die Brennstoffzelle ist reichweitenstark. Zu jeder Zeit war uns bewusst, mit welchem Auto wir da fuhren. Es war anders, es war neu, es war charmant. So stellen 500 Kilometer kein Problem mehr dar. Außer Sauerstoff wird extern zum Wasserstoff keinerlei chemische Zutat benötigt. Als „Abfallprodukt“ kommt am Ende hinten reines Wasser heraus. Sympathisch im Gegensatz zum üblichen Verbrenner.

Das derzeitige Problem scheint allein die riesige Entfernung des nicht gerade als engmaschig zu bezeichnende Wasserstofftankstellennetz zu sein. So mussten wir mit unserem Fahrzeug stets nach Wiener Neudorf zur OMV mit dem riesigen weißen Tank – aber promiment sichtbar ist er schon von Weitem – verfehlen kann ihn niemand.

Ein wesentlicher Aspekt ist ebenso der Preis des Objekts: mit knappen 75.000 Euro könnte man bereits zwei Mal einen Diesel kaufen.

Wasserstoff ist mit knapp neun bis zehn Euro pro Kilogramm auch nicht gerade sehr billig – 950 Gramm des Gases benötigt der Wagen nach Norm auf 100 Kilometer.

Wenige Pkw mit Elektroantrieb kommen auch nur annähernd an eine vergleichbare Reichweite.

Zweirad – Sportredakteur & Testamonial Gerrit Thell

Ist eine Abgabestation gefunden, vollzieht sich der Tankprozess ähnlich wie bei einem Auto mit Erdgas- oder Flüssiggasantrieb: Die Drucktanks (700 bar) sind in wenigen Minuten wieder mit bis zu 5,64 Kilogramm Wasserstoff gefüllt. Bei einem aktuellen Kilo-Preis von 9,99 Euro entsprechen die Kosten je zurückgelegtem Kilometer in etwa dem eines Fahrzeugs mit Benzinmotor. Ein Preisbrecher ist die Fortbewegung mit Wasserstoff zum gegenwärtigen Zeitpunkt also noch nicht, aber die Freude über die abgasfreie Beschleunigung (136 PS/100 kW) ist unbezahlbar.

Insgesamt fährt der Hyundai FuelCell einfach toll. Beim Fahren selbst macht er keinerlei Allüren – alle Wahrnehmungen unterscheiden sich kaum im Vergleich zu anderen Stromern.

Komfortabel, solide, unaufdringlich. Zwar ist er wegen der ganzen Apparaturen – Zelle, Akkus, Drucktanks – etwas schwerer als üblich, aber die 300 Newtonmeter Drehmoment des Elektromotors kommen mit den 1830 Kilogramm dieses SUVs gut zurecht.

Wie bei jedem Elektroauto macht der Antritt aus dem Stand viel Vergnügen, Insgesamt scheint er gefühlt behäbiger als die Konkurrenz, aber der FuelCell soll ja auch zum Cruisen und Umwelt schonen seine Sinnhaftigkeit innehaben.

Im Innenraum finden sich außer einigen speziellen Instrumenten und einem leicht verkleinerten Kofferabteil keine Auffälligkeiten – unter der Motorhaube sind viele gefährlich wirkende orangefarbenen Kabel ersichtlich. Angefasst haben wir diese dann aus Sicherheitsgründen doch lieber nicht.

Da der typische Tucson Fahrer (der Nachfolger des Hyundai 35i) nicht der typische FuelCell Käufer ist, sollte hinterfragt werden, wer denn nun als Zielgruppe in Frage kommt.

Die Autoindustrie – insbesondere die deutsche – scheint sich im Bereich Brennstoffzellentechnik nicht weiter zu engagieren. Umso mehr muss man Hyundai einen Tribut als Pionier zollen. Hier wird gemacht und getan- und sei es nur für Forschungszwecke. Aber der FuelCell ist in Wahrheit das erste in Serie produzierte Brennstoffzellenfahrzeug. Dies erkennen die meisten Nachzügler, weil es am Fahrzeug selbst prominent aufgeklebt wurde.

Es muss sich berechtigterweise die Frage gestellt werden, wo denn der Wasserstoff herkommt. Reichlich im Wasser vorhanden, kostet die Gewinnung des Energieträgers selbst sehr viel Energie.

Noch sind die Kosten der für die Brennstoffzelle nötigen Werkstoffe – allen voran das für die Beschichtung der Membran eingesetzte Edelmetall Platin – viel zu hoch, ein alltagstaugliches Tankstellennetz lässt weiterhin auf sich warten, und selbst wenn die Zapfpistolen flächendeckend installiert sind, bleibt die Frage nach der Herkunft des Wasserstoffs. Denn dessen Nutzung ergibt nur dann Sinn, wenn für seine Erzeugung ausschließlich regenerative Energiequellen wie Sonne, Wind und Wasserkraft verwendet werden.

Das TEstfahrzeug wurde bereitgestellt von Hyundai Österreich, überreicht durch Frau Jutta Sild

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