Praxistest KIA e- Soul Februar 2020

Praxistest KIA e- Soul Februar 2020

24. Februar 2020 0 Von emotiondotlive

Sind nun wirklich alle Elektroauto gleich? Nein!

KIA überzeugte uns mit dem aktuellen e – Soul vom Gegenteil.

Mittlerweile hat KIA seine dritte Model Variante auf dem Markt. Wir durften im Langzeittest die Longrange Variante in der Platinausführung testen. Mit 4,2 Metern Länge ist der Wagen etwas kürzer als ein Golf der Marke Volkwagen.

Dieser hat eine große und flüssiggekühlte Lithium- Ionen – Polymer Batterie mit 64 kWh und eine Antriebsleistung von 204 Pferdestärken. Der Hersteller gibt eine Reichweite von 452 Km an.

Wenn ich von Langzeittest schreibe, meine ich das so. Wir haben den e- Soul mit nach Deutschland genommen. Dies insofern unter der Vorgabe, ein sehr gut ausgestattetes und dennoch bezahlbares Elektroauto nicht nur den üblichen maximalen 300 Kilometern, sondern einem wirklichen Langstreckentest zu unterziehen.

Vorweg können wir sagen, dass die von uns zweimal zurückgelegte Strecke von jeweils 850 Km vom Kia e- Soul mit Bravour bewältigt wurde. Allerdings ist zu erwähnen, dass wir aufgrund der Witterungsverhältnisse mit nasskaltem Wetter und einer Temperatur um ca. 5 Grad Celsius sowie einer dem Alltag angemessenen Fahrweise den Verbrauch nur gelegentlich auf unter 17,8 kWh / 100 km bekamen. Im Schnitt kamen wir mit einer Cruisergeschwindigkeit von ca. 130 Km pro Stunde auf einen Verbrauch von etwa 21 kWh / 100 km. Nicht zu vergessen sind das eigenwillige und kantige Design. So hat der e- Soul im Vergleich mit seinen Konzernbrüdern Hyundai Kona sowie KIA e-Niro erhebliche Nachteile seitens der sehr bulligen Front.

Raumnutzung

Äußerlich wirkt der e – Soul als Kleinwagen. Seine aus Japan bekannte „Kei- Kar“ Form bringt einen auf minimale Grundfläche maximierten Nutzen. Wir haben einige Mitfahrer überrascht mit seinen Kompaktvanmaßen.

Das überdurchschnittliche Platzangebot vorne mit guter Kopffreiheit lässt selbst große Menschen sehr bequem mit ausreichender Beinfreiheit Platz nehmen. Hinten sind einige Abstriche zu machen, weil der unter der Sitzbank eingebaute Akku seinen Tribut zollt.

Ein Umlegen der Rückenlehnen im Ausmaß 1 zu 2 ist generell möglich, das komplette Zusammenklappen der Rückbank allerdings aufgrund des darunter verborgenen Akkus nicht.

Der Kofferraum ist etwas zu klein geraten. So konnten wir selbst mit viel Phantasie keine drei Bierkisten einladen. Unter dem – zu Teilen versenkbaren – Boden befindet sich ein Zusatzfach für das Ladekabel sowie Pannendreieck und Verbandskasten. Insgesamt hat man ein Kofferraumvolumen von 300 Litern bis zu 400 Litern.

Verarbeitung und Bedienung

Die Verarbeitung und Haptik aus dem Hause KIA ist nahezu fehlerfrei. Polierte Kunststoffteile in Klavierlackoptik sind zwar schmutzanfällig, das sich haptisch wohlanfühlende Lederlenkrad sowie die tolle Sitzqualität relativieren diese Nachteile jedoch rasch.

Insgesamt hatten wir nicht den Eindruck, dass die Qualität schlechter ist als in deutschen Fahrzeugen. Was soll auch passieren bei Garantieangaben in Höhe von 7 Jahren und / oder 150.000 Akkukilometern?

Ein in der Mitte befindlicher 10,25 Zoll großer Bildschirm (in der Platinausführung Standard) macht die Bedienung des Navigationsmenüs sowie aller weiteren Einstellungen sehr einfach.

Was wir unbedingt erwähnen möchten, sind die frechen Gimmicks des e- Soul. So sind seine exzellenten Harman / Kardon Lautsprecher eine Wohltat für geübte Musikohren. In Kombination mit einer visuellen Untermalung sind im Dunkeln an den Türen farbliche Elemente im Einklang mit dem Beat als auch im Fußraum sichtbar. Das macht schlichtweg Spaß und gute Laune. Exakt dafür gibt es den e- Soul. Ein liebenswertes und amüsantes Fahrzeug.

Bei der Rückgabe und dem Wechseln auf einen Niro Plug In Hybrid war ich versucht, die Autos „ganz zufällig“ zu vertauschen und den e- Soul noch einmal 14 Tage mitzunehmen…

Die Assistenzsysteme wie Abstandstempomat, Spurhalteassistent funktionierten genau so, wie wir es erwarten konnten. Manchmal waren jedoch – insbesondere auf Landstraßen – zu viele akustische Klänge zu vernehmen.

Fahrleistungen und Fahreigenschaften

Die von uns gefahrene LongRange Variante mit 204 Pferdestärken sind ein Signal der Sportlichkeit. Den in der Mittelkonsole befindlichen Drehknopf auf „D“ wie Drive und schon ist man in einer Art Autoscooter – mit Dach und Straßenzulassung.

Eine enorme lautlose Kraft machte nicht nur uns, sondern wirklich vielen Interessenten an Baumärkten oder Supermärkten schichtweg: Spass pur!

Das Drehmoment mit 395 Newtonmetern ist bei den derzeitigen nasskalten Witterungsverhältnissen manchmal gar zu stark und überfordert die Vorderräder. Ein sicheres Überholen auf der Landstraße war zu jeder Zeit dennoch in sehr kurzer Zeit erledigt. Aufgrund der dann sehr rasant dahinschmelzenden Restkilometer wird man sehr schnell wieder in den Cruiser Modus geholt und darf entspannt weiterfahren.

ESP und ASR jedoch taten wirkungsvolle Dienste und ließen ein Durchdrehen relativ selten zu. Auf nasser Fahrbahn ist die Modusvariante „Sport“ nicht immer sinnvoll.

Ein Belassen der Fahrmodi auf „Normal“ oder „ECO“ reicht in fast allen Belangen und reduziert das Beschleunigungsverhalten nur minimal. Die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 Km pro Stunde ist hier in etwas über 7 Sekunden erreicht und genügt in jeder Hinsicht.

Die durch am Lenkrad befindlichen Schaltwippen lassen 4 unterschiedliche Einstellungen des Rekuperierens zu. So kann das Fahrzeug je nach Bedarf oder persönlicher Vorliebe stärker oder schwächer die kinetische Energie in Elektroenergie umwandeln und somit wertvolle Kilometer dazugewinnen.

Reichweite

Die Auslegung des Antriebs ergab eine überzeugende Reichweite: Selbst bei Autobahn-Tempo von knapp über 130 km/h erreicht der e – Soul gute 320 Kilometer.

Mit geringerer Geschwindigkeit sowie mit besseren Witterungsbedingungen schienen 340 Kilomater machbar.

In der Stadt ist der e- Soul ein sparsamer Geselle und begnügt sich mit 13,7 kWh auf 100 Kilometern. Lässt man den e- Soul aber auf die Autobahn, steigt der Verbrauch auf über 21 kWh pro 100 Kilometer.

Ladeleistung

An der Front – versteckt hinter eine Klappe – befindet sich ein CCS Schnellladeanschluss. Während unserer 6 Stopps auf der Reise nach und von Frankfurt erreichten wir an verschiedenen Schnellladern an der Autobahn eine Maximalladeleistung von 76 Kilowatt. Nach ca. 22 Minuten waren so ca. 150 Kilometer Reichweite nachgeladen. Bei 50 % Akkuladung flacht die Ladekurve auf bis unter 43 Kilowatt ab. 80 Prozent zu erreichen, dauerte daher bis zu 50 Minuten Lade- und Wartezeit.

An den normalen 22 kW Säulen kann der e – Soul nur mit 7,4 kW laden.

Mithilfe einer neuen App lässt sich der Ladezustand des Fahrzeugs extern mitverfolgen.

Im heimischen Garten konnten wir – aufgrund der persönlichen Verhältnisse – nur einphasig mit max. 2.5 Kilowatt laden. Dies tat jedoch keinen Abbruch, weil die Fahrtstrecken dort andere waren als Langstrecke.

Insgesamt hatten wir auf der Langstrecke keine Probleme. Der e- Soul tat sehr brav seinen Dienst. Ich würde ihn wieder nehmen, sollten wir die Chance dazu bekommen. In Summe ist das Fahrzeug für die längeren Strecke wirklich brauchbar.

Fazit

Der KIA e-Soul ist ein grundsolides, sehr emphatisches, wahrlich freches und bedingungslos alltagstaugliches Elektrofahrzeug.

Das hohe Drehmoment sowie die wirklich tollen Rekuperationsleistungen machen aus dem unscheinbaren Kleinwagen ein vollständiges und überzeugendes Auto.

Die Platinausstattung lässt keinen Wunsch übrig, sodass ein monetärer Vergleich mit einem aktuellen Verbrennerfahrzeug in keiner Weise gescheut werden muss. Insgesamt bekommt man mit dem KIA e-Soul in der von uns getesteten Variante sogar ein Mehr an Auto. Hervorragend funktionierende Assistenzsysteme sowie das Platzangebot tragen ihren Teil dazu bei.

Hoffen wir, dass die Lieferzeiten im Anno 2020 geringer ausfallen als die Jahre zuvor.

Die Grunddaten im Überblick:

Elektromotor, 150 kW/204 PS, maximales Drehmoment: 395 Nm bei 0 – 3.600 U/min, Frontantrieb, Einganggetriebe, Akkukapazität: 64 kWh (brutto), Ladeanschluss: Typ2 und CCS, AC-Ladeleistung: 7,2 kW (1-phasig), DC-Ladeleistung: 80 kW, 0-100 km/h: 7,9 s, Vmax: 167 km/h, Normverbrauch: 15,7 kW/h, Testverbrauch: 16 kWh, Normreichweite: 452 km, CO2-Ausstoß: 0 g, Effizienzklasse: A+; Preis: ab 34.990 Euro (Umweltbonus möglich).

Das hat gefallen: Sehr gute Fahrleistungen. Gutes Platzangebot vorn. Praxistaugliche Reichweite. HErrausragende Ausstattung. 7 Jahre Garantie. Höchste aktive Sicherheit.

Das hat weniger gefallen: Kein Anhängerbetrieb möglich. Hoher Anschaffungspreis. AC-Laden auf 7,2 kW begrenzt. Lange Lieferzeiten

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